Mit Gefühlen achtsam leben – statt sie wegzuschieben
Kennst du dieses Gefühl, wenn ein kleiner Funke von Ärger plötzlich zum Flächenbrand wird? Oder wenn Traurigkeit sich leise anschleicht und plötzlich schwer auf deiner Brust liegt? Gefühle sind wie Wetter: Sie kommen, sie gehen – doch oftmals versuchen wir, sie zu kontrollieren oder gar zu verdrängen.
Das Problem: Je mehr wir Gefühle wegschieben, desto lauter werden sie.
Der Schlüssel liegt darin, ihnen Raum zu geben, ohne uns von ihnen fortreißen zu lassen. Genau hierauf wirkt das Trainieren von Achtsamkeit - auf deine Haltung, dir selbst und deinen innersten Empfindungen gegenüber.
„Wer Gefühle zulässt, spürt das Leben.“ - Ernst Ferstl
Gefühle anerkennen – nicht wegdrücken
Wenn eine Welle von Emotionen über dich hereinbricht, hilft ein Moment des Innehaltens. Stelle dir vor, du trittst einen Schritt zurück: du beobachtest, statt dich mitten in den Sturm zu stellen. Du erkennst Empfindungen wie diese hier:
- „Da ist Ärger in mir.“
- „Gerade fühlt sich mein Herz schwer an.“
- „Die Wut in mir lässt mich nicht mehr klar denken.“
Allein diese kleine innere Distanz verwandelt das Gefühl. Es bist nicht mehr du, sondern etwas, das vorüberzieht.
Einatmen. Ausatmen. Da sein.
Eine einfache Atemübung wirkt oft wie ein Anker: Spüre, wie die Luft einströmt, sich dein Brustkorb hebt und wieder senkt. Dein Atem erinnert dich daran: Du bist hier. Jetzt. Sicher - egal was deine Empfindungen dich gerade fühlen lassen.
Du erinnerst dich, dass Gefühle gesehen werden wollen und oft dieser kleine Moment des Bewustwerdens reicht, damit sie ihre Schärfe verlieren.
Gefühle als Wegweiser
Achtsamer Umgang heißt nicht, nur „schöne“ Emotionen einzuladen. Auch unangenehme Gefühle tragen Botschaften.
- Angst zeigt uns, wo wir Schutz brauchen.
- Ärger verrät, wo unsere Grenzen verletzt wurden.
- Traurigkeit erinnert uns daran, wie wichtig uns Nähe und Verbindung sind.
Indem wir hinhören, verwandeln sich somit unsere Gefühle Schritt für Schritt in mehr Klarheit und neue Lebensenergie - denn wir lernen uns selbst besser kennen und finden heraus, wie wir achtsamer mit uns selbst umgehen können.
Praktische Übung für deinen Alltag
Beim nächsten Mal, wenn ein starkes Gefühl auftaucht:
- Mache eine Pause. Schließe die Augen für einen Moment und atme gleichmäßig.
- Nenne es beim Namen. Sag dir innerlich: „Das ist Angst/Ärger/Traurigkeit.“
- Atme. Nimm drei tiefe, bewusste Atemzüge.
- Höre in dich hinein. Frag dich sanft: „Was will mir dieses Gefühl gerade zeigen?“
So wird aus jedem Moment – auch aus den schwierigen – eine Chance für mehr emotionale Klarheit und Selbstverbundenheit.
“Zufriedenheit baut auch darauf, Momente anzunehmen, die von Schmerz erfüllt sind” - GEO Wissen 67/2020 - Gelassenheit S. 40
Was nimmst du mit?
Gefühle sind keine Feinde, die wir bekämpfen müssen. Sie sind Botschafter unserer Lebendigkeit. Mit Achtsamkeit lernen wir, ihnen zuzuhören, ohne uns in ihnen zu verlieren. Und genau darin liegt eine leise, aber kraftvolle Entfaltung: du erhältst die Freiheit, mit allem, was da ist, in Frieden zu sein.














.png)